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Über 100.000 Menschen ernähren sich in Österreich rein vegan und es werden immer mehr. (Quelle: Instagram: @klimalexikon)

Veganismus

Vegetarische bzw. vegane Lebensweise ist keine Erfindung der letzten Jahrzehnte. Erste Überlieferungen einer vegetarischen Lebensweise gibt es bereits aus der Antike. Meist war die fleischlose Ernährungsform vor allem religiös motiviert. [1] 

Die 1944 gegründete Vegan Society of England definierte im Jahr 1979 den Begriff “Veganismus” wie folgt:

“Veganismus ist eine Lebensweise, die versucht – soweit wie praktisch durchführbar – alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an leidensfähigen Tieren für Essen, Kleidung und andere Zwecke zu vermeiden; und in weiterer Folge die Entwicklung und Verwendung von tierfreien Alternativen zu Gunsten von Mensch, Tier und Umwelt fördert. In Bezug auf die Ernährung bedeutet dies den Verzicht auf alle Produkte, die zur Gänze oder teilweise von Tieren gewonnen werden.” [2]

Diese noch heute gültige Definition beschreibt also eine Lebensweise, die tierische Produkte konsequent ausschließt. Dabei geht es nicht nur um eine Ernährung ohne Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier und Honig, sondern auch um den Verzicht auf Leder, Wolle, Seide und Pelz. Ebenso werden alle Pflege- und Hygieneprodukte ausgeschlossen, die tierische Inhaltsstoffe enthalten oder an Tieren getestet wurden. Zusätzlich wird die zur Schaustellung von Tieren zu Unterhaltungszwecken wie etwa in Zirkussen, Zoos und Aquarien strikt abgelehnt. Vegan zu leben bedeutet also, keine Form der Ausbeutung von Lebewesen zu unterstützen.[2]

Argumente für vegane Ernährung:

Von den meisten Menschen wird eine fleischfreie Ernährung aus ethischen Gründen in Betracht gezogen, da sie nicht (mehr) für die Ausbeutung und Tötung von Tieren mitverantwortlich sein wollen. Auch die Produktion von Milchprodukten und Eiern kommt nicht ohne das Töten von Tieren aus und verursacht vor allem in der Massenproduktion viel unnötiges Leid. 

Eines der vielen Beispiele dafür finden wir in der Eierindustrie. Legehühner werden bereits mit etwas über einem Jahr geschlachtet, da ihre Legeleistung zu dem Zeitpunkt anfängt nachzulassen. Demgegenüber haben nicht für die industrielle Eierproduktion gezüchtete Hühner eine Lebenserwartung von etwa 8-10 Jahren. 

Ein weiteres Beispiel ist die Milchkuhhaltung. Kühe müssen regelmäßig Kälber bekommen, damit sie weiter Milch geben. Dabei werden die männlichen Kälber geschlachtet, da sie außer als Fleischprodukt keine weitere Verwendung finden. Aus diesen Gründen entscheiden sich viele Menschen am Ende nicht nur für eine vegetarische, sondern für eine vegane Ernährungsweise. [3]

Neben dem Tierwohl-Gedanken spielt bei vielen auch der Klima- und Umweltschutz bei der Umstellung auf fleischreduzierte oder vegane Ernährung eine große Rolle. Durch Tierhaltung werden unter anderem durch Ausscheidungen der Tiere, Einsatz von Düngemitteln, aber auch durch Abholzung von Wäldern enorme Mengen an Treibhausgasen ausgestoßen und gleichzeitig gehen wichtige Treibhaussenken (Orte oder Prozesse, die dazu beitragen, CO2 aus der Luft zu entfernen und zu speichern) verloren. 

Eine große Schüssel Salat und viele kleine Schüsseln gefüllt mit Beeren, Gemüse und Nüssen.
Vegan zu leben, bedeutet sich v.a. pflanzlich zu ernähren. (Quelle: pixabay)

Auch die Artenvielfalt wird durch die Fleisch- und Fischproduktion verringert. Viele Arten verlieren aufgrund der Abholzungen sowie durch Überfischung und Versauerung von Gewässern ihre Lebensräume. Sie verschwinden.[4]

Ein weiteres Argument für eine vegane Ernährung ist, dass bei der Herstellung von tierischen Produkten riesige Mengen an Wasser verbraucht werden. Rund 30% des weltweit genutzten Wassers werden dafür genutzt. Mit eingerechnet wird  hier neben dem Trinkwasser auch die Bewässerung der Tiernahrung und das Wasser, das für die Reinigung der Ställe und für die “Endverarbeitung” der Tiere verwendet wird . 

Darüber hinaus wird durch die Haltung von Nutztieren, vor allem in Massentierhaltung, Wasser verschmutzt. Es gelangen Gülle, Pestizide, Herbizide und Antibiotika ins Grundwasser. 

Weiters nimmt die Tierwirtschaft 83% der landwirtschaftlich genutzten Flächen ein. Da der Boden dabei meist in Monokulturen und unter Einsatz von schweren Geräten, Düngemitteln sowie Pestiziden bewirtschaftet wird, führt dies zu einer massiven Einschränkung von Bodenfruchtbarkeit und zu Bodenverdichtung. Infolgedessen können weniger Nahrungsmittel angebaut werden. [4]

Die eigene Gesundheit stellt ebenfalls ein entscheidendes Argument für den Umstieg auf eine vegane Ernährungsweise dar. Wird auf die richtige Zusammensetzung von Nährstoffen geachtet, kann Veganismus beispielsweise  das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2 und bestimmten Krebsarten  zu erkranken, minimieren. [5]

Worauf müssen Veganer:innen achten?

Wie bei jeder Ernährungsform muss auch bei der veganen Ernährung auf eine Abdeckung aller Nährstoffe geachtet werden. Dafür müssen die Lebensmittel sorgfältig ausgewählt werden. Vor allem sollte auf genügend Eiweiß, langkettige Omega-3-Fettsäuren, Calcium, Eisen, Jod, Zink, Selen sowie Vitamin B12, B2 und Vitamin D geachtet werden.

Ob und wieviele Ergänzungsmittel jeder Form der Ernährung zugeführt werden müssen, sollte durch regelmäßige Bluttests und Absprache mit dem Hausarzt in Erfahrung gebracht werden, denn auch beim Verzehr tierischer Produkte ist es wichtig, auf eine ausreichende Nährstoffzufuhr zu achten. [6]

Wie werde ich vegan?

Ob von einem auf den anderen Tag vegan oder durch schrittweises Anpassen: es gibt keine allgemeingültige Empfehlung, wie man sich am besten der veganen Lebensweise annähert. Viele Menschen starten erst einmal mit der Umstellung auf eine vegetarische Ernährung und ersetzen nach und nach tierische Produkte wie Milchprodukte oder Eier durch vegane Alternativen. Sehr hilfreich können bei der Umstellung auch vegane Ersatzprodukte sein.

Auch der Verzicht auf Fleisch muss nicht von einem Tag auf den anderen gehen. Ein guter Anfang ist, mit einem fleischfreien Tag pro Woche zu starten und nach und nach auf vegetarische und vegane Rezepte umzusteigen, um schrittweise eine größere Auswahl an pflanzlichen Gerichten kennenzulernen . 

Challenges wie etwa der “Veganuary” (weltweite Aktion, sich im Januar vegan zu ernähren) motivieren viele Menschen rund um den Erdball, die vegane Lebensweise auszuprobieren und sich einer pflanzlichen Ernährung anzunähern. Probiert es doch mal selbst aus und lasst uns an euren Erfahrungen teilhaben!

von Karolin Stock

[1] Vgl. Vegane Gesellschaft Österreich. (16.07.2014): Die 1. Veggies. URL: https://www.vegan.at/inhalt/die-1-veggies [Zugriff: 08.01.2024] 

[2] Vgl. Vegane Gesellschaft Österreich. (22.12.2021): Definition Veganismus. URL: https://www.vegan.at/inhalt/definition-veganismus [Zugriff: 08.01.2024] 

[3] Vgl.Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt. (01.02.2014): Warum vegan? Gründe und Gegenargumente. URL: https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/warum-vegan [Zugriff: 08.01.2024] 

[4] Vgl. PETA Schweiz. (14.08.2023): 8 Gründe warum Tierprodukte zur Umweltzerstörung beitragen. URL: https://www.peta-schweiz.ch/themen/umweltzerstoerung/ [Zugriff: 08.01.2024] 

[5] Vgl. ProVeg Deutschland. (06.08.2021): Vegan gesund ernähren: Vorteile einer pflanzlichen Kost. URL: https://proveg.com/de/5-pros/gesundheit/vegan-gesund-ernaehren/ [Zugriff: 08.01.2024]

[6] Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (2022): Vegan essen – klug kombinieren und ergänzen. URL: https://cdn.dge-medienservice.de/media/productattach/1/2/123057_2022_flyer_vegan_essen_download_220516.pdf [Zugriff: 08.01.2024]

Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt. (01.02.2014): Warum vegan? Gründe und Gegenargumente. URL: https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/warum-vegan [Zugriff: 08.01.2024] 

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (2022): Vegan essen – klug kombinieren und ergänzen. URL: https://cdn.dge-medienservice.de/media/productattach/1/2/123057_2022_flyer_vegan_essen_download_220516.pdf [Zugriff: 08.01.2024]

PETA Schweiz. (14.08.2023): 8 Gründe warum Tierprodukte zur Umweltzerstörung beitragen. URL: https://www.peta-schweiz.ch/themen/umweltzerstoerung/ [Zugriff: 08.01.2024] 

ProVeg Deutschland. (06.08.2021): Vegan gesund ernähren: Vorteile einer pflanzlichen Kost. URL: https://proveg.com/de/5-pros/gesundheit/vegan-gesund-ernaehren/ [Zugriff: 08.01.2024]

Vegane Gesellschaft Österreich. (16.07.2014): Die 1. Veggies. URL: https://www.vegan.at/inhalt/die-1-veggies [Zugriff: 08.01.2024] 

Vegane Gesellschaft Österreich. (22.12.2021): Definition Veganismus. URL: https://www.vegan.at/inhalt/definition-veganismus [Zugriff: 08.01.2024]