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CO2-Zertifikate

CO2-Zertifikate

Was sind CO2-Zertifikate? 

Das Ziel des Handels mit CO2-Zertifikaten besteht darin, den Ausstoß von Treibhausgas-Emissionen zu bepreisen und somit zu reduzieren. Ein CO2-Zertifikat entspricht einer Tonne ausgestoßenem CO2 [1]. EU-weit werden Unternehmen, die einen besonders hohen CO2-Ausstoß haben, zum Kauf von CO2-Zertifikaten verpflichtet, um ihre Emissionen zu kompensieren. In Österreich sind davon rund 200 Firmen betroffen. Unter den Top 3 sind Voestalpine, OMV und Wien Energie.

Wie funktionieren CO2-Zertifikate?

Die gesetzlich verpflichtenden CO2-Zertifikate werden im Rahmen des EU-Emissionshandels wie Wertpapiere gehandelt. Der Preis entsteht dann durch Angebot und Nachfrage und liegt aktuell bei 60 Euro pro Tonne (Stand: November 2023). Unternehmen, die mehr CO2 ausstoßen als sie Zertifikate erworben haben, müssen Strafen zahlen oder zusätzliche Zertifikate erwerben. Wenn der CO2-Ausstoß unter der Menge der gekauften Zertifikate liegt, können diese an andere Unternehmen weiterverkauft werden. Die Preisregulierung (der Zertifikate) durch Angebot und Nachfrage birgt das Risiko von Preisverzerrungen durch Geldanleger, die je nach Gewinnerwartung Zertifikate kaufen oder verkaufen und dadurch auf schnelle Gewinne hoffen. Da die Zertifikate derzeit kein Verfallsdatum haben, können Unternehmen auch Zertifikate zu sehr günstigen Preisen auf Vorrat kaufen [2], [3].

Neben den gesetzlich vorgeschriebenen Zertifikaten besteht die Möglichkeit, freiwillige, nichtstaatliche Zertifikate zu erwerben. Unternehmen können sich so als klimaneutral darstellen, indem sie projektgebundene Zertifikate kaufen, mit denen sie spezielle Projekte unterstützen, die zur Reduzierung von CO2 beitragen sollen. Warum sie deshalb oft trotzdem nicht als klimaneutral angesehen werden können, wird später im Text genauer erläutert. Ein Unterschied zu den gesetzlich vorgeschriebenen Zertifikaten besteht darin, dass die projektgebundenen Zertifikate nach dem Kauf verfallen [4].

Wie effektiv sind CO2-Zertifikate wirklich? 

Kritische Stimmen meinen, dass projektgebundene Zertifikate zu einem zu geringen Preis verkauft würden, um tatsächlich etwas zu bewirken. 2018 kaufte beispielsweise der Eistee-Hersteller Takuma Zertifikate, die zur Finanzierung eines Solar-Projektes in Indien genutzt werden sollten. Der Preis betrug dabei nur zwei bis drei Euro pro Zertifikat. Einige Experten kritisieren das Prinzip der Klimakompensation im Allgemeinen. CO2-Zertifikate helfen zwar, entstandene CO2-Emissionen auszugleichen, machen sie aber nicht rückgängig. Die Zertifikate seien eine Übergangslösung, während an langfristigen Lösungen gearbeitet wird, die den Ausstoß von CO2 im Voraus einschränken [6]. 

Hinzu kommt, dass Kraftwerke und die besonders energieintensive Industrie noch bis 2034 kostenlose Zertifikate vergeben bekommen. Grund dafür ist die Angst, diese Unternehmen könnten ihre Produktion ins Ausland verlegen. Eine Analyse des WWF zeigte, dass einige Unternehmen so mehr Zertifikate erhalten, als sie CO2 ausstoßen, und mit dem Verkauf der überflüssigen Zertifikate sogar Profite machen können [7].

von Anne Jacobi

[1] Vgl. Inspektorin Grün. (2021): Was sind CO2-Zertifikate? Alles, was du über dieses sperrige Thema wissen solltest. https://inspektorin-gruen.at/2021/06/24/was-sind-co2-zertifikate-alles-was-du-ueber-dieses-sperrige-thema-wissen-solltest/ [Letzter Zugriff: 03.11.2023].

[2] Vgl. APA. Science. (2022): Klima-Glossar: CO2-Zertifikate. https://science.apa.at/power-search/8181437642503018846. [Letzter Zugriff: 02.11.2023]. 

[3] Vgl. Staude, Jörg. (2023): EU-Emissionshandel: Die Zeit knapper CO2-Zertifikate naht. Frankfurter Rundschau. https://www.fr.de/politik/die-zeit-knapper-co2-zertifikate-naht-92404749.html [Letzter Zugriff: 02.11.2023]. 

[4] Vgl. Inspektorin Grün. (2021).

[5] Vgl. MDR Wissen. (2023): ETS-Zertifikate: Warum die Industrie jedes Jahr Milliarden von der EU geschenkt bekommt. https://www.mdr.de/wissen/green-deal-co-zertifikats-handel-ets-100.html [Letzter Zugriff: 04.11.2023). 

[6] Vgl. Inspektorin Grün. (2021).

APA. Science. (2022): Klima-Glossar: CO2-Zertifikate. https://science.apa.at/power-search/8181437642503018846. [Letzter Zugriff: 02.11.2023]. 

Inspektorin Grün. (2021): Was sind CO2-Zertifikate? Alles was du über dieses sperrige Thema wissen solltest. https://inspektorin-gruen.at/2021/06/24/was-sind-co2-zertifikate-alles-was-du-ueber-dieses-sperrige-thema-wissen-solltest/ [Letzter Zugriff: 03.11.2023).

MDR Wissen. (2023): ETS-Zertifikate: Warum die Industrie jedes Jahr Milliarden von der EU geschenkt bekommt. https://www.mdr.de/wissen/green-deal-co-zertifikats-handel-ets-100.html [Letzter Zugriff: 04.11.2023). 

Staude, Jörg. (2023): EU-Emissionshandel: Die Zeit knapper CO2-Zertifikate naht. Frankfurter Rundschau. https://www.fr.de/politik/die-zeit-knapper-co2-zertifikate-naht-92404749.html [Letzter Zugriff: 02.11.2023].