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Agrobiodiversität

Agrobiodiversität

Die Agrobiodiversität, als eine Sonderform der Biodiversität, stellt ein vom Menschen geschaffenes Kulturgut dar. Sie bildet einen bedeutenden Bereich der biologischen Vielfalt ab, indem sie sämtliche landwirtschaftlich genutzten Pflanzen- und Tierarten sowie die zugehörigen Agrarökosysteme einschließt. 

Bei der Agrobiodiversität lassen sich wiederum die genetische Diversität, die Artenvielfalt und die Ökosytemdiversität unterscheiden. [1]

Genetische Diversität

Die genetische Diversität beschreibt die Vielfältigkeit und natürliche Variabilität innerhalb von Arten. Durch intensive Züchtung besteht die Gefahr des Verlusts genetischer Vielfalt, insbesondere wenn eine einseitige Verbreitung von Hochleistungssorten angestrebt wird. Dies kann zum Verschwinden von ursprünglichen Sorten führen, was wiederum einen Verlust an genetischem Material für zukünftige Züchtungen bedeutet. [2]

Artenvielfalt

Die Artenvielfalt umfasst die Anzahl verschiedener Arten, die für unsere Ernährung und Landwirtschaft von Bedeutung sind [3]. Dabei konzentriert sich unsere Ernährung auf einen vergleichsweise geringen Teil der rund 300.000 essbaren Pflanzenarten, wobei nur etwa 200 davon tatsächlich auf unseren Tellern landen. Eine große Rolle spielen hierbei lediglich einige wenige, wie Mais, Weizen und Reis, die die Hälfte unserer Nahrungsmittel ausmachen. [4]

Der Artenschwund in der Landwirtschaft zeigt sich in einem Rückgang regionaler Nutzpflanzensorten und Haustierrassen, der bereits seit über hundert Jahren anhält. Heute ist dieser Trend besonders stark in Entwicklungs- und Schwellenländern ausgeprägt. Ein markantes Beispiel hierfür bietet China, wo sich der Rückgang deutlich zeigt: Im Jahr 1949 wurden noch beeindruckende 10.000 lokale Weizensorten angebaut. Heute sind es weniger als 1.000. Damit wurden rund 90% der einst vorhandenen Weizensorten verdrängt. [5]

Ökosystemdiversität

Die Ökosystemdiversität bezieht sich auf die Vielfalt innerhalb einzelner sowie zwischen verschiedenen Agrarökosystemen, wie Weiden, Flüssen und Feldern, in einem bestimmten Gebiet. Die Leistungsfähigkeit dieser Ökosysteme ist entscheidend für eine nachhaltige Regulation des Wasserhaushalts, wodurch sie einen bedeutenden Einfluss auf die Umweltqualität und die Verfügbarkeit von Ressourcen ausüben. [6]

Gründe für den Verlust an Agrobiodiversität

Der Verlust an Artenvielfalt in der Landwirtschaft lässt sich auf verschiedene Faktoren zurückführen, wobei die Technologisierung einen maßgeblichen Beitrag leistet.

Die stetige Weiterentwicklung der Produktionstechnologien in der modernen Landwirtschaft führt zu einer intensiveren und spezialisierteren Produktionsweise. Diese Intensivierung hat jedoch den Nachteil, dass sie oft zu einem Verlust an Artenvielfalt führt. Die Fokussierung auf bestimmte Hochleistungssorten oder -rassen, die oft aus gentechnisch veränderten Sorten hervorgehen, kann dazu führen, dass weniger ertragreiche, aber dennoch ökologisch wertvolle Arten vernachlässigt oder gar verdrängt werden.

Weitere Gründe sind eine Veränderung der Landnutzung und Wasserbewirtschaftung, und die Abholzung von Wäldern. Zusätzlich führt der Gebrauch von Pestiziden und Düngemitteln sowie die Verschmutzung und Degradierung der Ökosysteme zu einem Rückgang der Artenvielfalt. Ohne die Nutzung der traditionellen Nutztier- und Pflanzenarten geht zudem das Wissen über die spezifischen Anbau- und Haltungsmethoden verloren. [7], [8]

Warum ist der Erhalt der Biodiversität so wichtig? 

Die Gründe, die Agrobiodiversität zu erhalten, sind vielfältig. Allen voran stellt sie einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherung dar, vor allem in Entwicklungsländern ist dies für eine gesunde und vielseitige Ernährung wichtig. Aber auch für den Klimaschutz und die Klimaanpassung von wichtiger Bedeutung [9]. Weiters lässt sich die Wichtigkeit des Erhalts der Agrobiodiversität anhand folgender Werte definieren: 

  • Zuchtwert/Nutzwert: beschreibt den direkten Wert des Nutzens, den die  Erhaltung von (pflanzen)genetischen Ressourcen für die Ernährung und Landwirtschaft  für die Zucht hat. 
  • Produktionswert: besonders in Ländern mit großer Ressourcenknappheit (Kapital, Boden, Wasser), wie Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas ist der Produktionswert sehr wichtig, da die Produktion von Nahrung aufgrund der knappen Ressourcen erschwert ist. So kann das Produktionsrisiko,  unter schwierigen klimatischen Bedingungen verringert werden, wenn verschiedene traditionelle Pflanzen angebaut und Tiere gehalten werden, die an die Bedingungen der Umgebung angepasst sind: 
  • Vermächtniswert: Beschreibt den Wert der Diversität für folgende Generationen. So kann der Erhalt der Agrobiodiversität in Zukunft relevant für die Weiterentwicklung von Sorten sein, die an die sich noch verändernden Umweltbedingungen angepasst werden. 
  • ethischer Wert: Erhaltung genetischer Ressourcen als ethische Verpflichtung
  • Existenzwert: Wertschätzung, auch ohne einen direkten Nutzen mit der Sorte oder Rasse zu erzielen [10].

Wie kann die Agrobiodiversität erhalten werden? 

Zur Erhaltung der Agrobiodiversität gibt es zwei unterschiedliche Methoden. 

Bei der Ex-Situ-Erhaltung wird die biologische Vielfalt durch den Anbau von Sorten außerhalb ihrer natürlichen Umgebung und Lebensräume der Arten verstanden. Dazu gehört zum Beispiel die Einlagerung in Samenbanken und Tiefkühllagern. 

Im Rahmen der In-Situ-Erhaltung pflanzen Landwirte und Gärtner alte Sorten und Rassen freiwillig in ihren Feldern und Gärten, also in den natürlichen Verbreitungsgebieten der Sorten und Rassen, sodass diese nicht verloren gehen. [11]

von Anne Jacobi

[1] Vgl. Dachler, Michael (2023): Welternährung. Status quo und Ausblick zur globalen Ernährungslage. Springer Spektrum. 

[2] Vgl. ebd. 

[3] Vgl. Mancuso, Stefano (2018): Pflanzenrevolution. Wie die Pflanzen unsere Zukunft erfinden. Verlag Antje Kunstmann. 

[4] Vgl. Dachler, 2023, S. 155 ff..  

[5] Vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Ernährung sichern durch landwirtschaftliche Vielfalt. URL: https://www.bmz.de/de/themen/biodiversitaet/agrobiodiversitaet [Zugriffsdatum: 25.11.2023].

[6] Vgl. Dachler, 2023, S. 155 ff. 

[7] Vgl. Virchow, Detlef (2008): Die Erhaltung der Agrobiodiversität. Bundeszentrale für politische Bildung. URL: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/31470/die-erhaltung-der-agrobiodiversitaet/ [Zugriffsdatum: 25.11.2023]. 

[8] Vgl. Dachler, 2023, S. 155 ff.

[9] Vgl. ebd. 

[10] Vgl. Virchow, 2008.

[11] Vgl. Dachler, 2023, S. 155 ff.

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Ernährung sichern durch landwirtschaftliche Vielfalt. URL: https://www.bmz.de/de/themen/biodiversitaet/agrobiodiversitaet [Zugriffsdatum: 25.11.2023].

Dachler, Michael (2023): Welternährung. Status quo und Ausblick zur globalen Ernährungslage. Springer Spektrum. 

Mancuso, Stefano (2018): Pflanzenrevolution. Wie die Pflanzen unsere Zukunft erfinden. Verlag Antje Kunstmann. 

Virchow, Detlef (2008): Die Erhaltung der Agrobiodiversität. Bundeszentrale für politische Bildung. URL: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/31470/die-erhaltung-der-agrobiodiversitaet/ [zuletzt abgerufen am: 25.11.2023].